Fegen, Feiern, Feilschen

Unsere Fahrt nach Ubud ist, sagen wir, speziell. Nachdem wir auf dem Parkplatz an einen Taxifahrer verschachert werden, geht es 2 Stunden ohne Klimaanlage durch die Mittagshitze bis wir auf einem Parkplatz mitten in der Stadt hinausgeschmissen werden. Den Nachmittag verbringen wir zu Flos Freude im Affenpark der Stadt, wo wir beide erste Begegnungen in freier Wildbahn erleben dürfen. Ubud ist außerdem bekannt für seine traditionellen Tanzaufführungen, die allerdings durch ihre monotone Musik und Tanzweise für Europäer wie uns ein wenig befremdlich wirken können.

Die nächsten zwei Tage erkunden wir die nähere Umgebung auf der Harley Davidson des kleinen Mannes: einem Roller! Nach kurzer Bekanntmachung mit unserem Gefährt stürzt Flo sich todesmutig in den Verkehr und bisher haben wir keine Verluste zu beklagen 😊 Wir erkunden zahlreiche Tempel (auch einen, den wir aufgrund seines Namens mit einem anderen verwechselt hatten), die Königsgräber und wundervollen Reisterrassen. Der Tempel Tirta Empul beherbergt eine heilige Quelle und drei große Wasserbecken durch die man von Quelle zu Quelle schreitet, um sich vom Bösen reinzuwaschen. Nach dieser Prozedur fühlen wir uns schon viel heiliger. 😉 Die teils abenteuerlichen Routenvorschläge unseres besten Freundes (Google Maps sei Dank) bringen uns abseits der touristischen Wege dem echten Leben der Menschen auf Bali näher. Nicht selten werden wir bestaunt oder überschwänglich von kleinen, lachenden Kindern begrüßt.

Unseren letzten Abend in Ubud lassen wir mit einer klassischen balinesischen Massage ausklingen, die wir nach unserer 5-stündigen Rollertortur dringend nötig haben. Da wir Bali nun in Richtung Lombok verlassen wollen, führt unser Weg zurück über die Hafenstadt Padang Bai, in der wir eine rauschende Geburtstagsparty miterleben dürfen, die für uns zugleich zur Abschiedsparty von der Insel wird.

Nach annähernd zwei Wochen wollen wir nun ein erstes Resümee der balinesischen Kultur wagen. Was schnell auffällt ist, dass die Religion das alltägliche Leben bestimmt. Gerade auf Bali findet jeden Tag ein anderer Feiertag mit zahlreichen Zeremonien statt. Das merkwürdigste bis jetzt: ein Feiertag für motorbetriebene Fahrzeuge, an dem alle Autos, Roller und Boote gesegnet und geschmückt wurden. Sehr auffällig ist zudem, dass alle Indonesier fegen. Unabhängig von Wochentag und Tageszeit, es muss gefegt werden… auch auf fremden Grundstücken. Hintergrund dafür ist die Befreiung von dem Bösen, das zudem jeden Tag durch Opfergaben, Segnungen und Räucherstäbchen besänftigt wird. Wenn man sich auf Bali bewegt, fallen einem ständig aufwendig gestaltete Gebäude auf, die wie kleine Tempel aussehen. Dank Wikipedia wissen wir, dass es sich wirklich um Tempel handelt, denn jede Familie muss einen Haustempel und zudem jede Gemeinde pro 500 Einwohner einen Dorftempel besitzen.

Die Balinesen sind freundliche und sehr kommunikative Menschen. So passierte es uns auf unserer Rollertour des Öfteren, dass uns während der Fahrt ein anderer Rollerfahrer ansprach und Smalltalk halten wollte. Anfangs etwas verwirrt und später recht amüsiert gingen wir auf diese freundlichen Gespräche und Wegbeschreibungen ein. Sobald man etwas kaufen möchte, sollte man auch bereit sein, mit dem Gegenüber zu verhandeln, da man sonst gnadenlos übers Ohr gehauen wird. Die Einheimischen haben regelrechten Spaß am Feilschen und als Tourist bekommt man nur so vernünftige Preise (Wir müssen allerdings noch weiter an unserem Durchsetzungsvermögen arbeiten. 😉)

Ein letzter Punkt: der Verkehr. Bereits ab der ersten Minute auf den balinesischen Straßen bemerken wir, wer nicht hupt und blinkt wie ein Weihnachtsbaum, der verliert. Jedes Manöver sollte mit einem lauten Hupen (gern auch wiederholt) angekündigt werden. Wer den Warnblinker anhat, brauch nicht etwa Hilfe aufgrund eines Defekts am Fahrzeug, sondern fährt geradeaus über eine Kreuzung. Und natürlich: Wer zögert verliert. Vorfahrt haben nämlich die größeren oder schnelleren Fahrzeuge bzw. die dreisteren Fahrer. Trotz alledem haben wir noch keinen einzigen Unfall oder ein kaputtes Fahrzeug gesehen. Was vielleicht daran liegen mag, dass hier auch schon Sechsjährige mit vollwertigen Motorrädern durch die Wallachei düsen und somit jeder sein Gefährt optimalst beherrscht.

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