Das Lied von Eis und Feuer

John Williams weckt uns mit dem Star Wars Main Title um genau 01:00 Uhr. Die Fanfaren hallen noch in unseren Ohren, da schwingen wir uns auf unseren kleinen Roller und beschleunigen ihn in die tiefschwarze Nacht hinein. Die Sterne und der Sichelmond weisen uns den Weg immer höher – immer kälter. Unser tapferes Gefährt quält sich die Serpentinen entlang bis auf 2700m Höhe, allen Schlaglöchern zum Trotze. Unser Ziel, King Kong Hill, erreichen wir nach zweieinhalb Stunden kurz vor Sonnenaufgang. Die ersten Strahlen geben den Blick auf eine Landschaft frei, welche in eben jenen Star Wars Filmen eine hervorragende Kulisse bilden könnte. Schroff fällt der Beginn der Caldera vor uns ab und inmitten einer Sandwüste dampft es aus dem Schlot des Vulkans Bromo. Völlig durchgefroren bei 5° bewundern wir den Sonnenaufgang und die immer schöner und heller werdende Landschaft.

Nach einiger Zeit und dem Genuss eines heißen Tees fahren wir durch noch steilere Serpentinen der Sandwüste entgegen. Wir tanken den Roller für diese Etappe, besorgen uns einen, aufgrund des aufkommenden Sandsturms notwendigen, Mundschutz. Sodann stürzen wir uns in die Dünen, zum Glück ohne tatsächlich zu stürzen. Mittels Fußstabilisation und rallyereifen Kommentaren von Navigatorin Flici schafft es unser kleines Himmelfahrtskommando tatsächlich an den „Parkplatz“ vor dem Bromo. Tourguides und Touristen, welche in bequemen, klimatisierten Allradjeeps angereist sind, schauen uns mit einer Mischung aus Bewunderung, Mitleid und Belustigung an.

Mit einem kleinen Abstecher in den hiesigen hinduistischen Tempel, erklimmen wir den steinigen und felsigen Aufstieg zum, immer noch majestätisch vor uns thronenden, Bromo. Wir hören deutlich das Grollen und Zischen des Schlunds und langsam wird uns klar, wieso die Einheimischen in ihm eine Verkörperung des Gottes Brahma sehen. Nach dem beschwerlichen Aufstieg über die letzten 241 Stufen der Treppe können wir nun mit allen Sinnen den Vulkanschlund erforschen. Es riecht nach Schwefel und das Grollen ist zu einem ohrenbetäubenden Getöse angeschwollen, welches eine normale Unterhaltung nicht möglich macht. Die unglaubliche Kraft dieser Naturgewalt wirkt auf uns hypnotisierend und man kann nur erahnen wie es sein mag, wenn solch ein Vulkan einmal ausbrechen sollte. Nach dem wir uns satt gesehen und gerochen haben, beginnt der Abstieg. Der leichte Sandsturm ist zu einem ausgewachsenen Exemplar geworden und wir kämpfen uns mit unserem immer noch tapferen Roller weiter durch die Sandwüste. Als auf einer Bergetappe kurz die Vorderbremse versagt, sorgt dies für einen minimalen (*hust*) Adrenalinkick, aber Brahma war uns gewogen und auf wundersame Weise sprang die Bremse wieder an.

Sandverkrustet und glücklich dieses Naturphänomen überlebt zu haben, genießen wir die beste Dusche des Urlaubs. Jeder, der die Gelegenheit hat, sollte einmal den Aufstieg wagen und den Bromo auf sich wirken lassen. Wer zusätzlich noch eine gesunde Mischung aus Abenteuerlust und Wagemut besitzt, nimmt einen Roller. 😉

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